RVW-Erstbefahrung des Steinhuder Meeres

Nur eine Autostunde entfernt, nördlich von Hameln, liegt das Steinhuder Meer. Mit einer Fläche von 29,1 km² ist er der größte See Nordwestdeutschlands, bei den flächengrößten deutschen Seen liegt das Steinhuder Meer an 9. Stelle. Das maximal 2,9 m und durchschnittlich 1,35 m tiefe Gewässer bildete sich in einem Becken gegen Ende der letzten Eiszeit vor etwa 14.000 Jahren. Heute stellt der See als Zentrum des Naturparks Steinhuder Meer wegen seiner geschützten Naturbereiche und vielfältigen Erholungsmöglichkeiten ein überregionales Ausflugsziel dar.

Motorboote sind auf dem Steinhuder Meer nicht gestattet (ausgenommen Elektromotorboote und Motorboote der Wasserrettung). Der See eignet sich relativ gut für den Segelsport. Es sind dort etwa 5000 Sport- und Segelboote zu finden.

Für ruderische Aktivitäten scheint das Steinhuder Meer nicht zu den bevorzugten Zielen zu zählen, da der Wind nicht unbedingt der Freund der Ruderer ist. Auch der RVW war dort wohl noch nicht im Einsatz, wie Befragungen und Recherchen ergeben haben.

So machten sich 5 Ruderkameraden (Bernd Kerkhoff, Rolf Schaper, Martin Garbe, Dirk Schünemann und Frank Höltje) aus der Freitagsrunde auf den Weg, um dieses für uns unbekannte Gewässer zu erkunden. Als Startpunkt hatten wir den Hagenburger Kanal ausgewählt, da es dort eine Einsatzstelle für Kanuten gibt. In unmittelbarer Nähe ist auch ein entsprechender Parkplatz, so dass wir das Boot nur ca. 150 m tragen mussten und dort problemlos auf das Wasser gehen konnten.

Bei Temperaturen von über 30° C und absoluter Windstille erreichten wir nach kurzer Zeit den See, der spiegelglatt vor uns lag. Wir wendeten uns Richtung Osten, um die Umrundung zu beginnen. Zunächst passierten wir Steinhude mit seiner vorgelagerten Badeinsel. Dann ging es vorbei am Toten Moor an der Ostseite des Sees.

Da das Steinhuder Meer ein Landschaftsschutzgebiet und für viele Wat- und Wasservögel ein wichtiges Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet ist, dürfen verschiedene Uferbereiche nicht befahren werden. Diese sind durch Bojen gekennzeichnet.

Dass der See in vielen Bereichen, auch noch teilweise 100 m vom Ufer entfernt, sehr flach ist, merkt man beim Rudern sehr deutlich. Man hat dort das Gefühl, dass sich das Boot am Grund festsaugt.

Weiter ging es auf der Nordseite vorbei an der Ortschaft Mardorf mit einer Vielzahl von Bootsstegen und Segelbooten. Man mag sich nicht vorstellen, wie eng es auf dem Wasser wird, wenn alle diese Boote bei Wind unterwegs sind.

Auf Höhe des Winzlarer Turms auf der Westseite nahmen wir Kurs auf die Insel Wilhelmstein. Der Wilhelmstein ist eine 1,25 ha große, künstliche Insel im Steinhuder Meer, die im 18. Jahrhundert aus militärischen Gründen als Landesfestung der Grafschaft Schaumburg-Lippe geschaffen wurde. Auf ihr befindet sich seither die Festung Wilhelmstein, die noch heute dem Haus Schaumburg-Lippe gehört. Leider gibt es dort keine Anlegemöglichkeit für Ruderboote, da die Insel von einer ca. 1,50 m hohen Spundwand umgeben ist. Aktuelle Karten zeigen, dass aber eine Kanueinsetzstelle geplant ist.

Nach der Umrundung der Insel setzten wir unsere Fahrt fort und erreichten nach ca. 3,5 Stunden und 25 Kilometern wieder die Einfahrt zum Hagenburger Kanal, den wir dann noch bis zu seinem Ende (ca. 1 km) befuhren.

Ausgedörrt von der extremen Hitze verluden wir das Boot und erreichten nach kurzer Fahrt das heimische Bootshaus, wo wir die Fahrt bei einem Kaltgetränk auf der Terrasse ausklingen ließen.

Aus Sicht der Teilnehmer ist das Steinhuder Meer bei entsprechenden Witterungsbedingungen aus ruderischer Sicht ein lohnendes Ziel für eine Tagesfahrt und lädt zur Wiederholung ein.

 

Fotos: Rolf Schaper, Bernd Kerkhoff, Frank Höltje,

Grafik: kanu-club-steinhuder-meer.de