Höllenhitze und Luft nach oben – 1. RBL-Renntag 2022 in Kassel

Bei höllischen 36° Celsius an der Regattastrecke auf der Fulda kämpft sich der Sparkasse-Hameln-Weserbergland-Achter beim Saisonauftakt in Kassel ins Mittelfeld. Dabei bekräftigt die Mannschaft von Trainer Christian Wellhausen ihre gute körperliche Verfassung und lässt erkennen: da geht noch mehr und da haben wir noch Luft nach oben.

In Kassel erkämpfte sich die Hamelner Crew um Steuerfrau Julia Klemm in der 18 Boote starken 1. Liga den 11. Platz. Bei zermürbenden Temperaturen jenseits der 30 Grad-Marke ruderten sich Thore Wessel, Maximilian Gümpel, Roelof Bakker, Nick Armgardt, Eric Edler, Florian Wissel, Emre Tas, Fabian Schönhütte, Niklas Hölscher und Christopher Winnefeld ins erwartete Mittelfeld.

Die auf den Schlagpositionen eingesetzten Ruderer Maximilian Gümpel und Emre Tas resümierten den Renntag dabei einstimmig: „Die Temperaturen waren brutal. Aber wir haben gemerkt: physisch sind wir in guter Verfassung. Da geht diese Saison noch was, vielleicht auch, wenn man sich nicht nach jedem Rennen im Wasser abkühlen muss, um wieder klarzukommen.“ Das weiß auch Trainer Christian Wellhausen beim Blick auf die geruderten Zeiten des Bundesligafeldes: „Von Platz 3 bis Platz 14 liegen alle Achter innerhalb von nur einer Sekunde. Da erkennt man die Leistungsdichte der Ruder-Bundesliga. Dies zeigt uns aber zugleich, dass da im Saisonverlauf für uns noch mehr drin sein kann.“

Dass das Hamelner RBL-Team nach zwei jähriger RBL-Pause diese Saison die Tabelle durchwürfeln kann, zeigt wiederum der Blick auf die einzelnen Rennen: auf die viertschnellste Zeit in den Zeitläufen folgte, gegen die starke Frankfurter Germania nur ein Hauch Rückstand von nur 0,33 Sekunden im Achterfinale. Im darauffolgenden Viertelfinale erruderten sich die Hamelner Ruderrecken dann auf der nur 350-Meter langen und von der Strömung begünstigten Sprintstrecke (49,02 Sekunden) über 2 Sekunden Vorsprung gegenüber dem heimischen Kasseler Achter (51,31 Sekunden). Während sich gegen Mainz im Halbfinale die fehlenden gemeinsamen Wassereinheiten bemerkbar machten, fiel das Finalrennen um den 11. Platz letztlich wieder zugunsten der Hamelner aus.

„Da war trotz der Hitze viel Spaß dabei. Die Jungs haben Lust auf mehr!“, ergänzt Wellhausen. „Vermutlich hat der Auftakt genau das richtige Ergebnis als Anstoß zur Intensivierung der gemeinsamen Wassereinheiten gebracht. Körperlich sind wir im oberen Mittelfeld eindeutig dabei. Wenn wir jetzt noch bestimmte technische Themen ausmerzen können, lässt sich diese Saison noch der eine oder andere Coup erwarten.

Weiter geht es beim nächsten Renntag am 16. Juli in Berlin-Tegel.

Endlich wieder Ruder-Bundesliga!

Nach zwei Jahren ohne Ruder-Bundesliga-Rennen freut sich die Hamelner RBL-Mannschaft auf eine gut-besetzte 1. Liga der Männer. Wenngleich die Vorbereitung und Voraussetzungen für den Saisonstart vielleicht aktuell nicht gerade optimal sind, sieht Trainer Christian Wellhausen durchaus Chancen „das Mittelfeld“ aufzumischen, wie sich im Gespräch mit Pressesprecher Florian Höltje herausstellt.

Vorab, aber der Blick auf Termine und Kaderaufstellung für die Saison 2022. Auf Fans, Sportbegeisterte und die Mannschaften warten erneut fünf spannende Renntage an attraktiven Sportstätten. Veranstalter für diese Saison sind für den Auftakt Kassel (18.06.), Berlin Tegel (16.07.), Minden (06.08.), Krefeld (03.09.) und für das Finale die Hamburger Binnenalster (17.09.). Für die Renntage kann Wellhausen erneut auf den Hamelner, über Deutschland verteilten, RBL-Stammkader zurückgreifen. Zu diesem zählen neben Thore Wessel, Florian Wissel, Emre Tas, Maximilian Gümpel, Roelof Bakker, Eric Edler, Till Garbe, Nick Armgardt, Ronald Bakker, Eike Brockmann, Fabian Schönhütte, Niklas Hölscher, Christopher Winnefeld, Jonas Kell, Lars Wessel, Nils Hawranke und die Frauen an den Steuerseilen Julia Klemm, Mareike Adomat und Merle Wessel.

Florian Höltje
Christian, hol uns doch einmal ab und dann direkt zu Beginn die erste und wichtigste Frage zum Saisonstart: wie lief die Vorbereitung? Sind alle fit, bereit und heiß auf die Saison?

Christian Wellhausen
Traditionell ist das Ostertrainingslager der Termin, der mir zeigt, wie es konditionell und technisch um die Mannschaft steht. Im Anschluss haben wir meist noch ein paar Trainingswochenenden bis zum Saisonstart, die dazu dienen nach zu justieren und gezielte Trainingsakzente für den Saisonstart zu setzen. Das war dieses Jahr anders.“

Inwiefern, anders?

Im Ostertrainingslager haben, oder besser mussten, wir sieben Einheiten auf dem Wasser in ganz unterschiedlichen Besetzungen fahren. Da lag der Fokus nach zwei Jahren Pandemie ohne Ruder-Bundesliga, aber mit normalen Regatten und DSM in Kleinbooten, erstmal primär darauf wieder die gemeinsame Auffassung vom Rudern zu finden. Im Kleinboot z.B. machen wir im Doppelzweier und Doppelvierer hinten keine Pause. Im Achter mussten wir das Ostern dann erstmal wieder anpassen. Das ist definitiv gelungen.

Trainingsimpression aus der frühjährlichen Saisonvorbereitung 2022

Und nach der Anpassung konntest du dann, wie gewohnt, die Wochenenden im Anschluss nutzen, die so wichtigen Feinjustierungen vorzunehmen?

Im Gegenteil, alle geplanten Wassereinheiten nach dem Trainingslager zu Ostern mussten bis auf ein Wochenende allesamt ausfallen. Die eine oder andere Hochzeit können wir mit unserem Kader noch abfedern, allerdings hat uns die Kombination aus drei aufeinander folgenden Hochzeiten mit diversen Covid-Infektionen einen dicken Strich durch die Trainingsplanung und somit auch die Vorbereitung in Summe gemacht. Insgesamt kann man sagen: so unvorbereitet, gemessen an der Menge der gemeinsamen Ruderkilometer, wie in diesem Jahr mussten wir nie in eine Bundesliga-Saison gehen. Glücklicherweise sind nun aber, bis auf zwei Infektionen, alle durchgestanden.

Das klingt herausfordernd. Wie schätzt du denn insgesamt Fitness und Verfassung der Mannschaft ein?

Selbst wenn wir nicht so viel gemeinsame Trainingskilometer sammeln konnten: Rudern an sich können ja alle. Körperlich stehen wir aber besser da als je zuvor. Das Mannschaftsgewicht liegt locker über 90 kg Muskelmasse bei sehr wenig Fett. Der eine oder andere ist fit wie ein Turnschuh, wenngleich sich hier oder da noch die lange Wasserpause bemerkbar macht. Verlass ist auch nach Jahren noch auf unsere beiden schwergewichtigen Modellathleten Florian Wissel und Fabian Schönhütte. Sie sind noch immer eine Macht auf dem Ergo und somit im Achter nicht zu ersetzen.

Das hört sich doch deutlich besser an. Welche Platzierung rechnest du dir für den Saisonauftakt in Kassel aus?

In Kassel ist die Herausforderung, dass wir aufgrund der Corona-Infektionen nur mit drei Backbordern plus Thore mit gebrochenem Zeh anreisen. Hier haben wir keine Wechselmöglichkeiten. Bei 30 Grad und fünf Rennen ist es gut möglich, dass im Laufe des Renntags die Geschwindigkeit im Endspurt nachlässt. Zudem werden wir mit Maxi und Emre auf Schlag fahren, während Niklas und Roelof im Bug sitzen, um das Boot in der Freilaufphase zu kontrollieren und zu stellen. Eine Konstellation aus dem Ostertrainingslager, die gut funktioniert hat. Da sehe ich uns im Mittelfeld, wenn uns die Temperaturen nicht niederzwingen sollten. Damals in 2013 sind wir in Kassel faktisch aus der 1. Liga in die 2. Liga abgestiegen. Hier haben wir dementsprechend noch etwas  gut zu machen.

Kurzer Ausblick zum Abschluss: Wo steht Hameln am Saisonende?

Die 18 Männerachter werden sicher für viele spannende Rennen sorgen, allerdings gibt es aber auch dort eine große Leistungsbreite. Sollten wir es schaffen mehr zusammen zu trainieren, können wir sicherlich im Laufe der Saison auch für die eine oder andere Überraschung sorgen und weiter nach vorne fahren. Insgesamt sehe ich uns auch hier im Mittelfeld. Nach über 24 Monaten ohne Bundesligarennen freuen sich alle auf die Saison.

In Kassel hält im „roten“ Sparkasse-Hameln-Weserbergland-Achter Julia Klemm die Steuerseile. Auf Backbord sind Thore Wessel, Maximilian Gümpel, Roelof Bakker und Eric Edler bereit für den Saisonauftakt. Auf Steuerbord legen sich Florian Wissel, Emre Tas, Fabian Schönhütte, Niklas Hölscher und Christopher Winnefeld in die Riemen.

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