Beeindruckende Erlebnisse in Henley

Carl-Ludwig Soltau berichtet über seinen Besuch bei der diesjährigen Henley Royal Regatta, die vom 30.6.-5.7. auf der Themse stattfand:

Die Henley Royal Regatta ist das prestigeträchtigste Ruderevent der Welt und wird bereits seit 1839 traditionell auf der Themse ausgetragen. Einmal dort zu starten, wo die absolute Weltelite auf historischem Boden um die begehrten Trophäen kämpft, war schon seit meiner U17-Zeit ein großer Traum. In diesem Jahr wurde er Wirklichkeit: im Osnabrücker Vereinsachter ging es für mich beim Themes Challenge Cup, dem Wettbewerb für Club-Achter, an den Start. Das Besondere an Henley ist neben der langen Tradition vor allem der K.-o.-Modus: Es wird nicht in Sechs-Boote-Feldern gerudert, sondern im direkten Duell „Eins gegen Eins“ über die historische Distanz von 1 Meile und 550 Yards (ca. 2.112 Meter). Wer verliert, scheidet sofort aus.

Nach einer zehnstündigen Anreise im Auto am Montag ging es noch am selben Nachmittag für eine erste Einheit aufs Wasser. Die Kulisse vor Ort war beeindruckend, alles ist extrem professionell organisiert und die Atmosphäre sehr herzlich. So richtig realisiert hatte ich es zu dem Zeitpunkt noch gar nicht, dass wir hier nun wirklich mitrudern. Nach einer kurzen Trainingseinheit am Dienstagmorgen um 6:30 Uhr wurde es um 11:45 Uhr Ortszeit ernst: Unser erstes Rennen gegen die Mannschaft von Marlow RC „B“ stand an. Obwohl die Gegner körperlich stark wirkten, überwog bei mir statt Nervosität einfach nur die Motivation. Auf der Strecke lief es für uns optimal: Mit einem souveränen Vorsprung konnten wir das Duell für uns entscheiden und die nächste Runde erreichen. Nach dem Rennen ging es für uns im Anzug – dem offiziellen Dresscode der Regatta entsprechend – erst einmal zum Regatta-Shop.

Rennen 1: Start gegen Marlow RC „B“

In der zweiten Runde am Mittwoch trafen wir dann auf ein sehr starkes Boot des Leander Clubs – einem der ältesten und erfolgreichsten Rudervereine der Welt, dessen Clubhaus direkt an der Ziellinie in Henley liegt. Wieder ging es um 6:30 Uhr zur Vorbereitung aufs Wasser, um 11:10 Uhr folgte der Start. Wir haben absolut alles gegeben und ein starkes Rennen abgeliefert, mussten uns am Ende aber der Klasse des Leander-Bootes geschlagen geben. Enttäuscht waren wir dennoch nicht, da wir unsere maximale Leistung abgerufen haben und man die Stärke des Gegners dann einfach anerkennen muss. Ein Blick auf die Zeiten der anderen Läufe zeigte zudem, dass wir gegen die meisten anderen Boote, die an diesem Tag ausschieden, gewonnen hätten und wohl bis Freitag weitergekommen wären. Wir können also sehr zufrieden mit unserer sportlichen Leistung sein.

Nach dem Ausscheiden stand für uns das Erleben der Regatta im Vordergrund. Von Donnerstag bis Samstag sah unser Tagesablauf etwas entspannter aus: ausschlafen, mittags an die Strecke fahren, um andere Rennen zu schauen, und abends das einmalige Flair der Stadt zu nutzen, um Ruderer aus aller Welt kennenzulernen.

Henley unterscheidet sich deutlich von typischen Regatten: Auf dem Gelände, insbesondere in der Stewards‘ Enclosure, gilt ein strikter Dresscode mit Anzug, Club-Blazer und Kleidern. Die Boote lagern in riesigen Zelten, und jedes Mal, wenn eine Mannschaft ihr Boot zum Steg trägt, applaudiert das Publikum. Auch der Sportsgeist ist bemerkenswert: Nach dem Rennen gratuliert man sich gegenseitig, und oft trifft man die gegnerischen Teams abends beim Feiern wieder.

Am Sonntag standen schließlich die Finalrennen an. Die Stimmung war noch einmal eine andere als an den Tagen zuvor: Es war insgesamt etwas leerer, dafür waren die Tribünen voll mit fachkundigen Fans, die für eine lautstarke Kulisse sorgten. Ein Highlight war es, den deutschen Einer-Fahrer Oliver Zeidler live im Finale der Diamond Challenge Sculls anzufeuern.
Ich war schon einmal als Zuschauer bei den Olympischen Spielen, aber die Henley Royal Regatta ist damit kaum zu vergleichen. Die Kombination aus internationalem Spitzensport, gelebter Tradition und diesem extrem fairen Miteinander ist einmalig. Eine Erfahrung, die uns als Mannschaft und mich persönlich absolut beeindruckt hat.

Bildquellen:

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